Was ist ein Trope?
Ein Trope ist ein wiedererkennbares Muster. Eine Figurenkonstellation, eine Situation, eine Wendung, die Leser:innen schon hundertmal begegnet ist, und die trotzdem funktioniert. Die Auserwählte, die von ihrer Bestimmung erfährt. Die zwei, die sich erst nicht ausstehen können. Der Mentor, der stirbt, damit die Heldin allein weitermachen muss.
Im Deutschen wird Trope oft mit „Klischee“ übersetzt, und genau da fängt das Missverständnis an. Ein Klischee ist ein Muster, das niemanden mehr überrascht, weil es niemand mehr mit Leben füllt. Ein Trope ist erst mal nur ein Werkzeug. Was du damit baust, ist deine Sache.
Warum Tropes funktionieren
Weil sie eine Abkürzung sind: für dich und für deine Leser:innen.
Wenn jemand „Enemies to Lovers“ auf deinem Klappentext liest, weiß diese Person sofort, worauf sie sich einlässt: auf Reibung, auf Spannung, auf den Moment, in dem die Verachtung kippt. Sie muss dir nicht dreißig Seiten Vertrauen schenken, um zu verstehen, was du vorhast. Du kannst diese dreißig Seiten für etwas anderes benutzen.
Und genau darin liegt der Trick: Das Muster ist die Erwartung. Deine Leserin weiß, dass die beiden am Ende zusammenkommen. Was sie nicht weiß, ist, was sie unterwegs übereinander herausfinden. Da entsteht dein Buch.
Die wichtigsten Tropes im Überblick
Beziehungs-Tropes
- Enemies to Lovers: aus Feindschaft wird Nähe. Lebt davon, dass die Feindschaft echte Gründe hat.
- Friends to Lovers: die Freundschaft war zuerst da. Die Spannung entsteht aus dem, was auf dem Spiel steht: Wenn es schiefgeht, ist beides weg.
- Slow Burn: die Annäherung zieht sich über das ganze Buch. Verlangt Geduld, auch von dir.
- Forced Proximity: zwei Menschen, ein Raum, kein Ausweg. Schneesturm, Roadtrip, nur ein Bett.
- Second Chance: sie waren schon mal zusammen. Jetzt ist die Frage, ob sich genug geändert hat.
Helden-Tropes
- The Chosen One: die Auserwählte. Das Muster, das in der Fantasy zugleich am meisten gescholten und am meisten gelesen wird.
- Reluctant Hero: jemand, der die Rolle nicht will. Erzeugt sofort Konflikt, ohne dass du einen Bösewicht brauchst.
- Mentor’s Death: die Figur, die alles weiß, muss weg, damit die Heldin selbst denken lernt.
- Hidden Heritage: die wahre Herkunft, von der niemand wusste. Funktioniert, wenn die Enthüllung etwas kostet.
Struktur-Tropes
- The Quest: der Weg von A nach B, auf dem sich die Figur ändert.
- Fish out of Water: jemand landet in einer Welt, die er nicht versteht. Dein bester Freund für Worldbuilding, weil erklärt werden darf.
- Chekhovs Gewehr: was in Kapitel eins an der Wand hängt, muss in Kapitel drei abgefeuert werden.
Wie du Tropes benutzt, ohne dass es nach Baukasten klingt
1. Nimm das Muster ernst
Die häufigste Ursache für ein müdes Trope ist die halbe Ausführung. Wenn deine beiden Figuren Feinde sein sollen, müssen sie es wirklich sein: mit Gründen, die man verstehen kann, auch wenn man auf der anderen Seite steht.
2. Verschiebe eine Variable
Behalte das Muster, ändere eine Bedingung. Die Auserwählte, die die Prophezeiung längst kennt und sich weigert. Der Mentor, der überlebt und die Seite wechselt. Das reicht oft schon.
3. Kombiniere höchstens zwei
Zwei Tropes, die sich reiben, ergeben eine eigene Konstellation. Sieben Tropes ergeben Brei.
4. Sag, was drin ist
Tropes sind ein Marketing-Werkzeug, ob dir das gefällt oder nicht. Wer gezielt nach „Friends to Lovers“ sucht, sucht nach deinem Buch. Schreib es in den Klappentext, in die Kategorien, in den Post.