Wenn aus Freundschaft Liebe wird. Das kommt nicht nur in der Realität vor, sondern auch in Romanen. Zwar ist dieses Erzählmuster – zumindest wenn man Bookstagram und Booktok glauben darf – längst nicht so beliebt wie der Gegenentwurf „Enemies to Lovers“, trotzdem finden sich in der Literatur viele Beispiele für den Trope „Friends to Lovers“. Von Ron und Hermine aus der „Harry Potter“-Reihe über Penelope und Colin in der dritten Staffel von „Bridgerton“ bis hin zu Emma und Dexter in „Zwei an einem Tag“: Freund*innen, die zu Liebenden werden, sind keine Seltenheit. Das kannst du für dein Schreiben nutzen – wir zeigen dir, worauf du dabei achten solltest.

Grundlagen von „Friends to Lovers“

Das Erzählmuster, das sowohl Haupt- als auch Nebenhandlung eines Romans sein kann, beschreibt eine Geschichte, in der zwei Charaktere, die zunächst nur befreundet sind, schließlich romantische Gefühle füreinander entwickeln. Diese Entwicklung basiert in der Regel auf einer tiefen emotionalen Verbindung und einem starken Verständnis füreinander, was typischerweise zu einer starken und stabilen Beziehung führt. So zumindest der (romantische) Idealfall.

In unserer Folge sprechen Hanna und Cara ausführlich über das Erzählmuster und seine Vor- und Nachteile:

Beispiel: Ron und Hermine in „Harry Potter“

Ron Weasley und Hermine Granger sind eines der bekanntesten Beispiele für das „Friends to Lovers“-Erzählmuster. Wobei man auch „Enemies-to-Friends-to-Lovers“ sagen könnte, wenn man kleinlich ist. Schließlich dauert es im ersten Teil der Reihe eine Weile, bis der freche Rotschopf und die besserwisserische Streberin überhaupt eine Freundschaft entwickeln. Und dann dauert es noch einmal einige Jahre, bis sich eine gewisse Spannung zwischen ihnen aufbaut, die über die üblichen Kabbeleien hinaus geht.

Über die einzelnen Teile der Reihe hinweg lernen die Leser*innen die Freundschaft zwischen den beiden kennen, mit allen Hochs und Tiefs. In Teil vier beginnt ihr Verhältnis, sich zu wandeln. Aber nur langsam. Erst ab dem sechsten Band kann aber niemand mehr leugnen, dass da mehr zwischen den beiden ist. Außer Ron und Hermine selbst. Gezeigt wird diese sich veränderte Dynamik der beiden vor allem über Eifersüchteleien, erst später lassen sie die gegenseitigen Gefühle zu und können auf neue Art zusammenfinden. Es dauert noch einen ganzen Band, bis es zum ersten Kuss kommt. Die Gefühle zwischen Ron und Hermine brauchen also eine ganze Weile, um sich zu entwickeln. Sicher etwas, was auch einige Leser*innen aus eigener Erfahrung kennen. Und darin kann auch ein Vorteil dieses Tropes in Liebeshandlungen stecken:

Stärken von „Friends to Lovers“

  1. Tiefe emotionale Verbindung: Da die Beziehung auf einer festen Freundschaft basiert, haben die beiden Figuren oft schon eine tiefe Verbindung zueinander. Sie kennen sich womöglich seit Jahren und wissen, was sie am anderen mögen, aber auch was sie am anderen stört.
  2. Realismus: Viele echte Beziehungen entwickeln sich aus Freundschaften oder Bekanntschaften heraus. Das Erzählmuster ist also nachvollziehbar für zahlreiche Leser*innen. Es fühlt sich realistischer an als manche „Enemies-to-Lovers“-Beziehung, die man tendenziell seltener im eigenen Umfeld erlebt.
  3. Charakterentwicklung: Da die Figuren hier auf eine zum Teil langjährige Freundschaft aufbauen können, fällt der Part des Kennenlernens weg. Auch die Leser*innen können also direkt tiefer in die Figuren einsteigen, wenn die beiden (künftigen) Lover beispielsweise tiefschürende Gespräche führen, statt nur über allgemeine Plattitüden zu sprechen.

Schwächen und Herausforderungen

  1. Vorhersehbarkeit: Natürlich hat der Trope auch seine Schattenseiten. Gerade wenn Leute dieses Beziehungsmuster von sich selbst oder aus dem eigenen Umfeld kennen, kann es sich für sie zu bekannt und damit zu vorhersehbar anfühlen. Manche Leser*innen wollen eben in eine andere Welt eintauchen, in der wenig ist, wie sie es kennen. Wenn die gezeigte Beziehung sie zu sehr an ihre eigene erinnert, kann das unter Umständen stören.
  2. Mangel an Konflikten: Wie entsteht mehr aus der anfänglichen Freundschaft? Hier solltest du beim Schreiben darauf achten, dass es nicht zu glatt verläuft. Wenn beide gleichzeitig entdecken, dass sie mehr füreinander empfinden und das gleich äußern, entsteht keine Spannung. Bei Hermine und Ron auf der anderen Seite gibt es haufenweise Konflikte auf dem Weg zu ihrem Liebesglück. Gut, ganz so viele müssen es vielleicht nicht sein. Das bleibt am Ende dir als Autor*in überlassen.

Wie also kannst du eine überzeugende „Friends to Lovers“-Geschichte schreiben?

Natürlich gibt es hier keine „One size fits all“-Lösung. Es kommt immer auf deine individuelle Geschichte und deine individuellen Figuren an. Allein die Frage, ob die Liebesgeschichte die zentrale Handlung ist oder es vorrangig um ein wildes Abenteuer geht, in das die Romanze nur nebenher einfließt, beeinflusst schließlich, wie du sie schreibst.

Allgemein kannst du aber folgende Punkte beachten, damit deine Leser*innen sich parallel zu deinen Figuren verlieben, statt genervt das Buch zuzuklappen:

  1. Realistische Entwicklung: Das ist natürlich immer die wichtigste Grundvoraussetzung! Lass den Sprung von Freundschaft zu Liebe nicht von jetzt auf gleich passieren. Nimm deine Leser*innen mit, mach ihnen klar, warum sich die Gefühle entwickeln und was das mit den Figuren macht. Sowohl mit den Lovern, als auch mit den Personen in ihrem Umfeld.
  2. Einführung von Konflikten: Wie oben bereits geschrieben, ist es langweilig, wenn die Freund*innen sich einfach so ihrer veränderten Gefühle bewusst werden und das klar kommunizieren. In der Realität ist so eine Herangehensweise zwar vielleicht wünschenswert, zwischen zwei Buchdeckeln aber viel zu langweilig. Und seien wir ehrlich: Wenn man sich in ein*e befreundete Person verliebt, geht das nicht ohne Konflikte einher, innere und äußere. Die meisten Leute sorgen sich in so einer Situation lange darum, ob sie der anderen Person etwas sagen sollen oder dadurch riskieren, die Freundschaft zu zerstören. Doch es gibt sicher noch andere Konflikte, die du hier mit einstreuen kannst, die zu deinen Figuren passen.
  3. Starke Charaktere: Ohne ausgearbeitete Figuren geht nichts! Das gilt natürlich auch bei einer Liebesgeschichte. Gib deinen Figuren Charaktereigenschaften, Persönlichkeiten, die über die Verliebtheit in die andere Person hinausgehen. Und zeige deinen Leser*innen, was die beiden aneinander fasziniert, sowohl in der Freundschaft als auch in der darauffolgenden romantischen Beziehung. Natürlich sollte das mehr als nur physische Anziehung seien. Zeige, was die jeweils andere Figur für deine Charaktere so unwiderstehlich macht.
  4. Einzigartigkeit: Auch das gilt natürlich für jede Geschichte. Denn der Trope „Friends to Lovers“ ist zunächst ein Basis-Modell, auf dem sich eine Geschichte aufbaut, die in ganz verschiedene Richtungen gehen kann. Verlasse dich nicht zu sehr auf das Erzählmuster an sich, sondern spinne eine Geschichte darum, die für sich interessant ist. Mit Figuren, die deine Leser*innen auch unabhängig von ihrer Liebesgeschichte begeistern.

Fazit: Wirst du zum Lover von „Friends-to-Lovers“?

Der Trope ist nicht ohne Grund beliebt. Ja, man könnte ihn als den kleinen Bruder von „Enemies-to-Lovers“ sehen, was die Beliebtheit angeht. Wichtig ist aber, was du schreiben willst. Wenn du die Freund*innen, die zu Liebenden werden, sorgfältig gestaltest und dabei im Idealfall Klischees vermeidest, kannst du eine packende (Liebes-)Geschichte auf der bekannten Grundlage erschaffen. Schreib uns doch gerne in die Kommentare, was du von dem Trope hältst und welche „Friends-to-Lovers“-Paarungen dich am meisten mitreißen.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner